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Einträge vom Juli 2008

Vorbilder, Abstürzler und Korruptionssumpf (1)

31. Juli 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Vorbilder, Abstürzler und Korruptionssumpf (1)

Der Gott der Alten wurde entzaubert und der Gott des Geldscheins regiert global; es wird geschmiert, dass die Schwarte kracht. Der Korruptionsskandal bei Siemens ist mit bisher ermittelten 1.300.000.000.-Euro der größte der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Tonnenweise Beweismaterial, hunderte Ermittler und am Ende wahrscheinlich milde Urteile ( so wie das jüngst gefällte) und viel Hornberger Schießen. Das Image vieler Industriekapitäne ist komplett ramponiert, sie sind Absturzkandidaten, als Vorbilder für Leistung und Leidenschaft ungeeignet. Doch, man mache sich nichts vor, die Medienkarawane zieht weiter und Absturzkandidaten erholen sich schnell wieder in neuen Gewändern und Sesseln. Wer ist auch so naiv, dass man Korruptionssümpfe einfach trocken legen könnte? Man kann sie maximal als kultivierte Feuchtgebiete eindämmen. Korruptionsfreie Gesellschaften gibt es praktisch nicht, die Korruptionsfalle schnappt täglich zu. Der Kampf dagegen ist eben nicht nur eine Frage der Ermittler und der Gerichte, sondern eine Frage der gelebten Moral, der gestalteten soziokulturellen Praxis, nicht nur den Manager und bestechlichen Beamten. Deshalb lohnt es sich, neben einer Betrachtung „Siemens und weltweite Freunde“ etwas tiefer ins Korruptionsthema einzutauchen.

Zuerst ein kleiner Ausflug zu den „großen Männern und Frauen der Geschichte“, insbesondere für unsere historischen Feinschmecker:

„In Europa hatte die Korruption in den feudalen Flächenstaaten des 18. Jahrhunderts Systemcharakter. Friedrich II. bestach Minister am Hof von Kaiserin Maria Theresia und war sicher, dass diese wiederum seine Minister bestach. Diplomaten hatten gewissermaßen ein Anrecht auf Bestechung. Die scharfe Trennung zwischen Amtseinkommen und Amtsführung, die Vollbesoldung von Beamten ist in der jungen europäischen Vergangenheit eine französische Erfindung. Diese Grundsätze hatten die Hohenzollern bis zuletzt nicht wirklich akzeptiert. In der Praxis hatte Preußen ein Mischsystem – übrigens im Gegensatz zu Bayern. Gesehen vom preußischen Hof aus waren Beamte Diener des Königs, die sich zum Teil von so genannten Sporteln zu ernähren hatten. Sporteln sind Vergünstigungen in Geld oder Naturalien, die der Beamte vom Empfänger einer Dienstleistung erhält. Preußische Professoren durften erwarten, dass Studenten, die Examen machten, sich für dieses etwa mit Gänsen bedankten.

Bis gegen Ende des Kaiserreichs erhielten preußische Beamte nur etwa zwei Drittel des Gehaltes, das sie zur Finanzierung desjenigen Lebensstils benötigten, der von ihnen auf Grund des Dienstranges erwartet wurde. Die Hohenzollern bezahlten ihre Beamten nicht wirklich für Arbeit, sondern gewährten ihnen eine Apanage. Zum Ausgleich gab es daneben Beihilfen – bis heute eine Eigenart unseres Besoldungswesens -, zusätzlich Erlaubnisse zum Nebenerwerb. Dabei kam es immer wieder zu Unzuträglichkeiten. Durch Erlass verbot der preußische König seinen subalternen Beamten nach Dienstschluss das Fiedeln in Kaschemmen. Wer Offizier wurde, brauchte reiche Eltern, eine betuchte Braut oder einen Geldverleiher.

Bayern-König Ludwig II. wurde von Bismarck mit jährlich um die 300.000 Goldmark bestochen; hierfür sollte er sich für die Ausrufung des Preußenkönigs zum deutschen Kaiser einsetzen. Zur Bestechung von Journalisten hatte Bismarck einen eigenen „Reptilienfonds“ eingerichtet, über den er freihändig verfügen konnte (den Ausdruck hatte Bismarck in einer Rede vor dem Abgeordnetenhaus gebraucht, als er hannoversche Journalisten „bösartige Reptilien“ nannte, die überall dort aufträten, wo Fäulnis sei, und die bis in ihre Höhlen hinein verfolgt werden müssten.)

Im öffentlichen Bewusstsein verkehrte sich die Bedeutung des Ausspruchs. Wer zu Bismarck in Oppostion stand, gab ihm den Sinn, der Ministerpräsident verwende das Geld nicht zur Bändigung, sondern zur Fütterung von Reptilien. Mit beiden Versionen war das Richtige getroffen worden. Einerseits diente das beschlagnahmte Privatvermögen des Hauses Hannover dazu, antipreußische Aktivitäten der Emigranten und solche des Protestes in der neuen Provinz im Zaum zu halten. Andererseits aber gab ihm dieser Dispositionsfonds, über den Bismarck ohne Rechenschaftslegung verfügte, auch die Möglichkeit, die Agitation von Gesinnungsfreunden und geheimdienstliche Tätigkeiten zu finanzieren.“

Das kann alles intensiv nachgelesen werden bei Peter Barth: Korruption – ein rechtliches oder moralisches Problem?. Er hielt seinen brillanten Vortrag übrigens an der Bayerischen Beamtenfachhochschule der Polizei in Fürstenfeldbruck im Sommersemester 2000/2001.

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Vorbilder:Beamtentätigkeit und grandioser Erfolg

29. Juli 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Vorbilder:Beamtentätigkeit und grandioser Erfolg

„Schüler brauchen Vorbilder“ – schallt es ständig durch die deutsche Pädagogik und die bildungsinteressierten Medien. „Ja, wo laufen sie denn?“ könnte man in deutscher Komiker-Tradition fragen. Flick, Ackermann, Esser – offensichtlich weniger geeignet; Merkel, Beckstein / Steinmeier, Beck – vier Fragezeichen; Pop-Stars, TV-Moderatoren, Spitzensportler – schon eher, aber mit doch sehr begrenzter Reichweite, Philosophen von Rang – wer, zu sperrig oder unbekannnt; ja was bleibt da noch?
Oder wollen wir es doch, ganz allgemein, mit den „Intellektuellen“ versuchen? „Der Intellektuelle muss sich aufregen können – und soll doch so viel politische Urteilskraft haben, dass er nicht überreagiert. Was ihm seine Kritiker – von Max Weber und Schumpeter bis Gehlen und Schelsky – entgegenhalten, ist immer wieder der Vorwurf der ,sterilen Aufgeregtheit‘ und des ,Alarmismus‘. Von diesem Vorwurf darf er sich nicht einschüchtern lassen.“ – meinte jüngst Habermas, sich seine kritischen Rolle in der Vergangenheit besinnend. Sind viele Intellektuelle nicht doch im Laufe der Jahre zu TUIs (im Brechtschen Sinne) mutiert? Vielleicht versuchen wir es doch – wider erwarten – mit einem guten Beamten?

Da befördert einer Aktengold aus dem Dunkeln ins Helle , beobachtet, forscht, seziert und kombiniert – und das mit grandiosem Erfolg. Die Rede ist von einem Vorzeigebeamten mit ausgewiesenem Berufsethos und hoher Selbstverpflichtung: „Für mich hat sie immer darin bestanden, mehr zu tun, als verlangt wird. Meine Leute waren auch so. Da hat keiner auf die Uhr geschaut.“ Seine Bilanz: Korruptionssysteme aufgedeckt, gegen Untreue, illegale Absprachen und Bestechung erfolgreich vorgegangen, Dutzende von Managern verhaftet. Geldstrafen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro wurden durch seine Initiative verhängt, ganz zu schweigen von zusätzlichen Einnahmen durch die Finanzämter. Der Beamten-Held heißt Hans Bredel , jetzt Kommissar außer Dienst. „Wirtschaft, Bauämter, Stadtparlamente – eine Ausgeburt der Korruption?“ (Die Zeit, 29.Mai 2008). Warum hat der Mann noch nicht das Bundesverdienstkreuz der Extraklasse?

Klar bestimmbare Wirtschaftssektoren und Korruptionssysteme sind neugierig machender Stoff aus dem prallen Leben, ausgezeichnetes Anschauungsmaterial für die Schule, z.B. im Fach Politik und Wirtschaft. Angestrebte Bildungsstandards bzw. Kompetenzstandards:
„Der Schüler kann sozioökonomische Zusammenhänge in verschiedenen Aktionsfeldern analysieren und beurteilen“:
Ableitung (1): „Geldgier und Lust an der Macht beschreiben und erörtern können“
Ableitung (2): „ Visionen und konkrete Vorschläge zur Auflösung ‚systemischer Sachzwänge’ und personale Habitusstrukturen in der Wirtschaft entwickeln können“.

Obama: „Yes, we can!“ – schallt’s über den Teich.

PS. Da sage mir keiner mehr etwas gegen Beamte. Und demnächst gibt es den Vorbild-Lehrer als deutschen Berufsbeamten. Wodurch wird er sich wohl auszeichnen?

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„Glück“ im Bildungsland Nr.1 ?

28. Juli 2008 · von Miller · 1 Kommentar

„Glück“ im Bildungsland Nr.1 ?

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Hessen als Trendsetter für Bildungsfragen ? Moderne hessische Berufsschulen – transformiert in Kompetenzzentren des lebenslangen Lernens – als „Speerspitze der Bewegung“? Glück gehabt – Schüler in Hessen zu sein?

Noch ist es nicht so weit.
Die Leuchtturm-Schule steht in Baden-Württemberg, heißt Willy-Hellpach-Schule – eine moderne Berufsschule mit Wirtschaftsgymnasium- und ist wirklicher Trendsetter im wahrsten Sinne des Wortes. Selbst das Fach „Glück“ wird ins offizielle Schulcurriculum aufgenommen und das mit großem Zuspruch.

„Mit dem Unterrichtsfach `Glück` wird der Versuch unternommen, den Schülern Bildung im ursprünglichen Sinn zu vermitteln. Ziel ist die Förderung von persönlicher Zufriedenheit, Selbstsicherheit, Selbstverantwortung und sozialer Verantwortung“, sagt Direktor Ernst Fritz-Schubert. Dabei geht es in dem Pilotprojekt nicht darum, das Negative auszumerzen, sondern das Positive zu verstärken. Die Jugendlichen sollen empfänglich für Glücksmomente sein und sich Wege für ihr eigenes dauerhaftes Glück suchen können. Glücklich sein ist ein psychologisches Bedürfnis wie Essen ein körperliches.
Das gilt für Schüler und Lehrer gleichermaßen. Längst hat die Wissenschaft bewiesen, dass Gesellschaften mit wachsendem Reichtum nicht unbedingt glücklicher werden. Dazu gehört wesentlich mehr. Etwa Selbstachtung, Einfühlungsvermögen, Freundschaft, Liebe, Spiritualität, Humor und Optimismus. Diese Ingredienzien des Glücks kann man lernen.

Die Willy-Hellpach-Schule ist bisher die einzige Schule in Deutschland, die sich mit dem „Lernziel glücklich sein“ in dieser Form auseinandersetzt. Sie bietet das Fach „Glück“ sowohl an der zweijährigen Berufsfachschule Wirtschaft (dort erwerben Hauptschüler die mittlere Reife) als auch am dreijährigen Wirtschaftsgymnasium (hier ist der Abschluss das Abitur) an.“ (Homepage der Schule, Juli 2008)

Wer will, kann an dieser Schule auch einen stark leistungsorientierten Weg der besonderen Fach-Ausbildung gehen.
„Seit dem Schuljahr 2003/2004 geht die Willy-Hellpach-Schule einen ungewöhnlichen Weg. Sie ermöglicht durch die Kooperation mit der Young-Business-School besonders leistungsstarken und leistungswilligen Schülerinnen und Schülern neben dem Besuch des Wirtschaftsgymnasiums das Studium der Wirtschaftswissenschaften. Nach dem Prinzip „Lust an der Leistung“ nehmen zur Zeit 5 Schülerinnen bzw. Schüler neben dem normalen Unterrichtspensum die Herausforderung an, weitere 12 – 15 Stunden wöchentlich den Vordiplomstoff der Fernuniversität Hagen zu bearbeiten. Trotz heftiger Kritik – wegen der vermeintlichen Überforderung – hält die Schule an diesem Konzept fest. Der Erfolg bestätigt den eingeschlagenen Weg. Im Schuljahr 2004/05 konnten wir mit der Ausgabe des Abiturzeugnisses einem Schüler und einer Schülerin das Vordiplomzeugnis überreichen.“(Homepage der Schule, Juli 2008)

Die Frage bleibt: Wann gibt es Unterrichtsfächer wie „Glück“ und „Lebenskunst“ als Perspektive an hessischen Berufsschulen oder Gymnasien? Wann werden wirklich neue „Bildungsstandards“ gesetzt? Die von allen hessischen Landtagsfraktionen begrüßten Reformprojekte SV-plus Berufsschulen und Initiative Hessencampus könnten hier sicher noch einiges dazu lernen. Die Zeit ist reif, „Schule neu denken“ (v. Hentig) offensichtlich erst am Anfang.

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Geist und Gehirn denken – auch mit der FAZ

25. Juli 2008 · von Miller · 18 Kommentare

Geist und Gehirn denken – auch mit der FAZ

Elektronengehirn von fuchur 2007 bei Flickr Puzzlebrain auf Flickr von fuchur 2007

Seit 19. Juli läuft in der FAZ die alte/neue „Geist-Gehirn-Debatte“ und am 25. Juli kumuliert die Sache vorläufig in: „Vor dem Richterstuhl der Vernunft„. Um was geht es?

Auf der personalen Ebene: Singer gegen Janich.
Der international bekannte Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer steht gegen den renommierten Marburger Philosophen Peter Janich im Streit um Ergebnisse und Interpretationen der neuesten Hirnforschung. Der abgedruckte Briefwechsel löste wiederum eine Flut von qualifizierten Leser-Bloggerbeiträgen aus.

Auf der inhaltlichen Ebene: unterschiedliche Wissenschaftsverständnisse und komplexe Sprachspiele.
Singer ist argumentationsmüde und will den eher zermürbenden Austausch von Argumenten ersetzen durch ein „gemeinsam konzipiertes und gemeinsam durchgeführtes Experiment“ mit der Pointe an Janich: „Bitte schlagen Sie ein Experiment vor, mit dem die These falsifiziert werden kann, dass alle („geistigen“) Phänomene auf neuronalen Prozessen beruhen und folglich diesen nach- und nicht vorgängig sind.“ Im Klartext: Am besten, du Philosoph, lass dich in den Tomographen schieben und wir werden sehen, ob es einen „immateriellen Agenten“ gibt, dessen „Gedanken und Entscheidungen neuronale Prozesse im eigenen Gehirn anstoßen“ oder ob doch aller Geist auf der materiellen Basis „Gehirn“ beruht. Janisch wiederum kontert, indem er Singer vorwirft, dass er nicht verstehe, was er eigentlich tue. „Nicht Hirne erforschen Hirne durch bloße neuronale Aktivität, sondern da muss in die Welt der Dinge mit Händen eingegriffen werden, und zwar nach Regeln.“ Er verweist auf Singers ungeklärtes Lieblingswort „beruhen“ und will ihn, Wittgenstein geschult, auf eine Sprachreflexionsebene locken. Er weist zudem moralisch entrüstet den Vorschlag zurück, ihn „persönlich zum Objekt Ihrer Laborverfahren zu machen.“
Petra Gehring, Philosophieprofessorin, springt in ihrem Beitrag „Was der Neurowissenschaftler Singer nicht gelernt hat“ (24.07.) sprachphilosophisch und wissenschaftstheoretisch Janich bei und prangert die „gnadenlose Naivität des Neurowissenschaftlers“ frech-forsch an. Hans J. Markowitsch, Professor für physiologische Psychologie, versucht vermittelnd mit seinem Beitrag „Ohne Gehirn kein Denken“ (22.07.) einzugreifen, indirekt aber mehr Singer zu stützen.
Naja, „Ohne Gehirn kein Denken“, da wären wir aber selbst nicht drauf gekommen und schöne Glasperlenspiele gibt es fast überall. Zu allem gibt es eine Menge qualifizierter Beiträge aus der Leserschaft oder Blogosphäre. Stellvertretend will ich die Beiträge von Uwe Paulsen (Wohlmeinender) hervorheben, die zusätzlich in die Welt der Thermodynamik einführen und die These von der „seamless web of cause and effect“ scharf zurückweisen. Eine Gegenposition bezieht wiederum Heinz Georg Schuster „Ideen haben eine materielle Basis im Gehirn“.
Wie auch immer neuronale Aktivierungsmuster beobachtet und beschrieben werden, das Hirn-Energiegestöber via FAZ scheint zu funktionieren; das gilt für die Kontrahenten und die Mit-Diskutanten.

Zum vorläufigen Abschluss greift Michael Pawlik, Professor für Strafrecht, mit seinem Beitrag „Vor dem Richterstuhl der Vernunft“ (25.07.) in die Debatte ein. Ja, das Verfahrensrecht und das komplexe Elend der Beweislast, ja, so richtert die Vernunft durchs Wissenschaftsland.
Nur, was tun, wenn sich die Kontrahenten nicht auf das Verfahren der „Beweise“ einigen können, sich auf andere, inkommensurable Wissenstraditionen stützen und den wechselseitigen Geburten, manchmal Ungeheuern der Vernünfte nicht trauen?
Pawlik ist sichtlich bemüht „ein ernsthaftes Gespräch über den wissenschaftstheoretischen Status der experimentellen Hirnforschung“ zu initiieren, denn „beide Seiten könnten zu lernen haben.“ Wohl wahr! Nur lassen dies die Eigenschwingungen der interaktiven neuronalen Erregungsnetze zu? Wenn es denn wider erwarten doch zum Prozess kommen sollte, so hat den Richtervorsitz – so mein Vorschlag – der Kollege Humor inne. Beisitzer in den Verhandlungen sind: a) Vernunft 1, b) Vernunft 2, c) Kollege Körperfreuden mit ausgedehnten Hirnfunktionen.
Bei einer Pattsituation der Entscheidung wird das Verfahren auf unbestimmte Zeit vertagt. Unterhändler beider Seiten könnten sich in der Zwischenzeit an Traditionstexten der Philosophie abarbeiten, z.B. an Friedrich Nietzsche (1878/1886), Menschliches, Allzumenschliches, Zweiter Band, Zweite Abteilung: Der Wanderer und sein Schatten, insbesondere Bemerkung (21) Der Mensch als der Messende, (23) Ob die Anhänger der Lehre vom freien Willen strafen dürfen? und (24) Zur Beurteilung des Verbrechers und seines Richters.
Im Gegenzug beschäftigen sich die Unterhändler mit „Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog: Wolf Singer/ Matthieu Ricard, 2008″. Der buddhistische Mönch Ricard hat sich Dank seines buddhistischen Grundlächelns in der Welt auch im Singer’schen Labor eingefunden und bereitwillig seine neuronalen Aktivitätsmuster während der Meditation aufzeichnen lassen. Für ihn, der sich seines reinen Gewahrseins sicher ist, bestätigen die Maschinenmessungen (z.B. Zunahme synchroner Gamma-Oszillationen) nur das, was eine 2500-jährige Tradition eh schon weiß: Meta-Bewusstsein durch Introspektion ist real herstellbar als absolute Aufmerksamkeit, gerichtet auf hirninterne Vorgänge. Durch Meditation können neue mentale Zustände hergestellt und gelernt werden, die auch später willentlich wieder aktiviert werden können. Also, es gibt ihn doch den „freien Willen“, die willentliche Selbstreferenzialität der Gehirnschleifen, aufgelöst im Meta-Bewusstsein. Die bewusste Herstellung klarer und stabiler Geisteszustände ist eben etwas anderes als das interne (unbewusste) Geplapper neuronal messbarer Aktivitätsmuster. Geist ist nicht identisch mit Gehirn und Weisheit hat eben andere Kriterien als Wissenschaft. Wolf Singer dürfte das (inzwischen?) auch so sehen!

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Wirtschaft, Kultur, Solidarität

25. Juli 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Wirtschaft, Kultur, Solidarität

Es gibt nichts GUTES – außer man tut es!

Deshalb haben der Bildungswirt und sein Gastropartner im Odyssee Frankfurt folgende kleine Sommerinitiative gestartet:
Politisch-gastronomische Solidaritätspreise
Solidarität mit den Beschäftigten im Tarifkonflikt 2008:
„Der wirtschaftliche Aufschwung kommt offensichtlich nicht bei der breiten Bevölkerung an. Die Preise steigen, die Gewinne der Großunternehmen sprudeln, die Löhne stagnieren oder sinken real in den letzten Jahren. Wir brauchen aber alle eine Steigerung der Binnennachfrage, nicht nur den Titel ‚Exportweltmeister‘. Sollte der Aufschwung nicht kommen, kündigen wir schon jetzt unseren kleinen Solidaritätsbeitrag an:
Radikale Preissenkung bei uns in der Kneipe – trotz hoher Abgabenlast und steigender Energiepreise.
Gegen den Sommerdurst gelten im Juli und August an jedem Wochenende (Sa., So.) folgende Solidaritätspreise:

Erwachsene: jedes Bier (Pils, Hefe, Kölsch): 25 % Preisnachlaß
Kinder unter 14 Jahren: Apfelsaft, Wasser: 50 % Preisnachlaß

Damit auch junge Familien, Singles, Rentner … sich einen netten Abend in der Kneipe gönnen können.

Wir fordern Unternehmen und freie Selbständige auf, auch einen solidarisch-kreativen Beitrag zu leisten.
Genuß und Gespräch für ALLE!
Euer Michael Kubala & Maico Miller “

Zudem gibt es z.B. Musik-Kultur vom Feinsten: Samstag, 23. August, 20.00 Uhr
„Jan Pascal & Alex Kilian
Ein Sommerabend der spanischen Gitarre
Das Profi-Gitarrenduo spielt mitreißende Rhythmen der spanischen und lateinamerikanischen Musik und verzaubert das Publikum mit einer Klangreise voller Leidenschaft und Ausdruckskraft.“

Solltet ihr ähnliche Aktionen kennen, schreibt dem Bildungswirt, damit wir darüber berichten können. Altruismus ist leider kein Allheilmittel für gesellschaftliche Krankheitszustände, aber sicher besser als der neueste Egotrip und der anschließende Katzenjammer des einsamen Großstadtwolfs. Von den Lämmern wollen wir heute gar nicht reden und von Musikern, die auch Geld verdienen müssen, auch nicht.

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SPIEGEL schreibt über Blogs – gestaltete Antworten

24. Juli 2008 · von frankmackay · 1 Kommentar

SPIEGEL schreibt über Blogs – gestaltete Antworten

Für alle die ES noch nicht mitbekommen haben, im letzten SPIEGEL Heft, aber auch bei SPIEGEL Online haben drei Redakteure einen Text plus Bilder zum Thema dt. Blogs und deren z.T. Politisierung veröffentlicht. Dabei vergleichen sie einige Blogs mit anderen Blogs und ebenso mit einem politischen Blog aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Bei RIVVA, dem Schlagzeilenmagazin gibts hier eine ausreichende Auswahl an Antworten, auf den SPIEGEL Beitrag. Vielleicht ist alles nur dem sich wieder erhitzenden Sommer 2008 geschuldet oder Blogs emanzipieren sich. Von was? Na, vielleicht mit weniger Katzenbilder und mehr Politik! Danke an alle eingesendeten Blogseiten für die Slideshow, der einzigen Antwort – die mir noch einfiel.

Diesem, diesem und diesem Forumskommtar bei SPON Online zum Artikel kann auch noch Beachtung geschenkt werden.

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BILDblog und Bildzeitung

19. Juli 2008 · von frankmackay · Keine Kommentare

BILDblog und Bildzeitung

BILD im öffentlichen Raum von http://www.flickr.com/photos/antenne/ - hochgeladen 10.09.2007Die Bildzeitung ist Deutschlands auflagenstärkstes Massenblatt. Ihre Art der Meinungsbildung hat täglich Wirkung, beeinflusst Kommunikation und Gefühlslagen, schon deshalb sollte man sich mit ihr beschäftigen.
Ihre Konzeption: genial, einfach, leicht konsumierbar, sensationsgeil. Für sie wird geworben von Alice Schwarzer bis Dinosaurier (schade, dass Bild nicht schon damals dabei war).

Der BILDblog schaut der Bildzeitung auf die Finger, prüft zweifelhafte und fahrlässige Darstellungen auf ihren Wahrheitsgehalt, recherchiert neu, geht „sachdienlichen Hinweisen“ nach. Der BILDblog ist ein unabhängiges, journalistisches Internetangebot, das sich seit Juni 2004 kritisch mit BILD beschäftigt.
Konzeption: genial, technisch einfach, aufklärerisch, David gegen Goliath.

Für die Schule gibt es Material in Hülle und Fülle: Einfach beide Medien parallel im Internet vergleichen, z.B. über einen Zeitraum von vier Wochen. Texte und Bilder analysieren, Argumentationslinien prüfen, widersprüchliche Wahrheitsangebote auswerten. Bild‘ dir deine Meinung. Vertraue deinem eigenen Verstand. Dank Internet war es noch nie so leicht wie heute. Im Zweifel geht es auch ohne die Schule.

Weitergehende Informationen:

  • Umfrageauswertung (pdf) zum BILDblog der Uni Bamberg (Januar 2008)
  • TV-Spot für BILDblog:

    Link: sevenload.com

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    Die Evolution frisst ihre Kinder

    14. Juli 2008 · von Leo · Keine Kommentare

    Die Evolution frisst ihre Kinder

    Es war einmal ein gutes Fabelwesen, das nannte sich die Evolution. Eine biologische Rasse entwickelt sich demnach auf natürlichem Wege immer weiter, vermischt sich fleißig mit anderem, damit sie besser wächst und gedeiht – Reinrassiges verblödet oder verschwindet.
    Dieses wunderbare System der Bestenauslese funktionierte und funktionierte bis zu jenem Tag, vielleicht war es ein hessischer Land-Tag, den wir wohl besser den LRS-Tag nennen: Durch einen unerklärlichen Übertragungsfehler in der Genetik gebar die Evolution ein ungewolltes, fast artfremdes Kind: die Evaluation.
    Es wurde der Mutter alsbald weggenommen, der Vater blieb ein Gerücht, den Unterhalt übernahm deshalb der Staat. Als Baby aufgewachsen in noblen Elfenbeinheimen, betreut von sorgfältig ausgesuchten Behörden, kam das Kind schließlich in die Schule. Während es in der Grundschule noch leidlich gut ging, machte es nach der Förderstufe, frühreif wie es war, überall mit Jungs rum und drohte plötzlich zu verwahrlosen. Die Gefahr wurde schnell gebannt: Unser großes Kind galt fortan als vorbildlich betreut. Kein Amt, kein Minister zögerte, sich dieses Kindes eine Weile anzunehmen, es galt nunmehr als hochbegabt, sein Wissensdurst wuchs ins Unermessliche: Es fragte, frug und frug und alle antworteten mit wahrer Engelsgeduld: Schön, was unser Kind schon alles weiß!

    Sollte das Kind deshalb auf eine elitäre Privatschule? Nein, man entschied sich dagegen und beließ es auf dem öffentlich-rechtlichen Gymnasium. Und es frug und frug. Alsbald wusste es nicht mehr, wen es fragen sollte und fing daher an, die Antworten gleich selbst zu geben und redete also mit niemandem mehr. Unser Kind wurde nun für lange Zeit auf eine berühmte Insel verbannt, wo es von Fabelwesen vom Stamme der Seligen geheilt werden sollte. Aber auch dort frug es vor sich hin und brabbelte die Antworten – bis zu jenem Tag, an dem es einmal probeweise einen Landgang unternehmen durfte. Dort traf unser inzwischen großes Kind nach ganz kurzer Zeit seine inzwischen graue, uralte Mutter. Die Mutter stutzte und fletschte ihre riesigen Zähne. Unser Kind aber glotzte ängstlich und fragte:
    Aber Großmutter, … ?

    (Fortsetzung folgt)

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