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Bildungsgipfel – Humor ist, wenn man weiterklatscht

26. Juni 2008 · von Miller · 1 Kommentar Artikel drucken Artikel drucken

Der neue Bildungsbericht 2008 ist da. Eine Gesamtschau des deutschen Bildungswesens, vom Kindergarten bis zur Universität. Ca. 1,5 Millionen Lehrer, Hochschulmitarbeiter und Erzieherinnen unterrichten, fördern und betreuen 17 Millionen Menschen.

Der Bildungsbericht ist ein indikatorengestütztes Mammutwerk statistischer Belege, eine Fundgrube für bildungspolitische Argumentationen. Die Bundeskanzlerin will deshalb schon im Oktober einen nationalen "Bildungsgipfel" draufsetzen. Sie erklärt Bildung zur Chefsache, gleichwohl Sie gar nicht zuständig ist. Die Ministerpräsidenten der Länder haben die Hosen an.
Der Bildungswirt wird an der Sache dranbleiben, denn einige Wahrheiten, Lacher und Skurilitäten sind vorprogrammiert. Die Medien, insbesondere das Fernsehen und das Internet, werden sich überschlagen in Sensationsmeldungen.

Ja, was würde dazu Altmeister Erhardt sagen, nicht der Wirtschaftswunder Erhard, nein, natürlich der Komiker Heinz Erhardt. Er wäre heute der ideale Late-Night-Talker. Er war der Urvater der Lustigkeit. Eine Chronik des deutschen Spaßes. Ja, in der Wüste fließt ein Bildungsgipfel …

Axel Brüggmann führt ins Thema ein. Präludium der Bildung …

"Wir leben in einer diversifizierten Spaßgesellschaft

Nach Erfindung des Privatfernsehens sendet die Glotze Humor total: Linke Romantiker schalten die veralteten "Spotlights" von Didi Hallervorden ein, Fernseh-Junkies die Medien-Satiriker Kalkofe und Pastewka. Für Feingeister improvisiert sich Olli Dittrich durch die Nacht, die Proll-Fraktion zappt zu "Erkan und Stefan". Und der Rest der Nation setzt sich zu den ewig Gestrigen von RTL, zu "Sieben Tage – sieben Köpfe".

Undenkbar ohne Heinz Erhardt. Mit seinen musikalischen Gaga-Einlagen hat er das Kabarett von Helge Schneider und Götz Alsmann inspiriert. Robert Gernhardt und Herbert Feuerstein mit seinen sprachgewandten Versen: "Es soll manchen Dichter geben, der muss dichten, um zu leben. Ist das immer so? Mitnichten, manche leben, um zu dichten." Seine TV-Sendungen waren Vorstudien zu den Shows von Rudi Carrell und Jürgen von der Lippe. Erhardts Fernsehfilme inspirieren die brüchige deutsche Wohnzimmerseligkeit von Wolfgang Menge, Harald Juhnke und Didi Hallervorden. Und als Kino-Onkel war er Pionier für den Spaß-Film von Otto über Loriot bis zu Hape Kerkeling, Bully Herbig und Oliver Kalkofe, der gerade "Der Wixxer" in die Kinos bringt.

Für Kalkofe ist die Individualisierung des Witzes ein Fortschritt: "Zu gutem Humor gehören Witze, über die nur einige lachen können", sagt er, "aber die lachen dafür umso mehr." In einer diversifizierten Spaßgesellschaft schmunzeln wir uns also nicht mehr zusammen, sondern auseinander. (…)"

Die Bildungsrepublik Deutschland geht unbeirrt ihren Weg. Bildung, Bildung über alles (nachdem die EM am Montag schon Schnee von gestern sein wird).

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1 Antwort bis jetzt ↓

  • 1 Maria // 24 Aug 2008 um 21:23

    Hallo,
    habe den Bildungswirt erst vorgestern im Netz entdeckt. Die Verbindung des geplanten Bildungsgipfels mit Heinz Erhardt, den Medien-Satirikern und der Spaßgesellschaft finde ich sehr gelungen. Frau Merkel scheint mit ihrer Bildungsreise in diesem Fahrwasser zu paddeln. Die unbeholfenen Bewegungen und gestellten Bilder im „Frankfurter Kindergarten“ (vgl. u.a. FAZ vom 21.August und Bericht in der Hessenschau) waren eher peinlich.

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