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Der Nervenkrimi von Wien – Fußballeuphorie

23. Juni 2008 · von Miller · Keine Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

Und das zweite Wunder von Basel oder Fußball als Feuerwerk der Metapher (4)

Ach, es metaphert so schön, gehoppelt durch den deutschen Fußball-Medienwald. Im Elfmeter-Krimi von Wien gehen die Azzuros mit hängenden Köpfen in die Untergrund, nehmen die gepackten Koffer und ab geht die Post, noch in der schwarzblauen Nacht, über die Alpen, heim zu Mama. Die jungen Iberer hatten den Fluch des ewigen Verlierers besiegt, das nationale Trauma aufgelöst und sich mit enthusiastischen Fans in den Siegesrausch gestürzt. Und von Klopp haben wir wieder einen neuen Klopper gelernt: "Es wurde taktisch gespielt, keiner wollte verlieren." Da wären wir ohne professionelle Hilfe nicht dahinter gestiegen. Danke an die spritzige Moderatoren-Nachlese mit Donau-Tiefgang.

Tags zuvor besiegte der Lieblingsholländer Hiddink mit russischen Allzwecküberfliegern die Holländer unter van Basten. Die russischen Draufgänger spielten wie von einem anderen Stern sagenhafte Kombinationshagel auf dem Platz der ewigen Wahrheit, die den hartgesottenen Oranje den Atem stocken ließ. Arschawin, die Zaubermaus, der Teufelskerl (oder doch besser ‚the one‘, der von den Erzengeln Geschickte) euphorisierte ganz Russland; selbst Putin kämpfte – nach offiziell bestätigten Kremlberichten – mit Freudentränen in sonst gestählten Geheimdienstaugen.

Und die Türken? Kehrten kurz vor Wien nicht um, sondern besiegten in letzter Minute die Kroaten. Der Trainer-Imperator Terim kennt nur noch Nationalhelden: Blut, Tränen, Stolz, Volk. Gut, dass auch für die Türken die Wahrheit auf dem grünen Rasen liegt und die Uhren in Istanbul immer wieder europäisch ticken.

Für die deutschen Boulevard-Rampensäue steht heute schon fest: "Mittwoch weinen alle Türken." Dazu meint die deutsche Selbstzuschreibung der Abwehr: " Wir sind elf Maschinen, die nicht totzukriegen sind." Gut, dass es genügend schiefe Metaphern gibt, so findet jeder Blinde sein Korn. Und wieder dagegen meint der politische Obervorturner der Türkei zu seinen Nationalhelden: "Heilige Schweißperlen, die geküsst werden müssen." Die Türken bleiben unberechenbar und das nächste Spiel … ja, wir wissen es!

Am Mittwoch: Deutschland – Türkei; wird schwer, aber die Jogi-Mannen gewinnen.
Am Donnerstag: Spanien – Russland; wird spannend, aber die Hiddink-Zauberjungs gewinnen.

Am Sonntag: Deutschland – Russland; am Brandenburger Tor tobt der Bär wie überall in Deutschland!

Kategorien: Allgemein · Unterricht · Wirtschaft

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