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Fußball als Feuerwerk der Metapher (1)

12. Juni 2008 · von Miller · 2 Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

Die Fußball-Sprache rollt als weltweite Rund-Metapher durch die Zeichengalaxie. Im Public Viewing ergießt sich ein Fest der Metaphern und Analogien mit Beamer, Bier und bunten Bildern.

Bei der brandaktuell vibrierenden Europameisterschaft gibt es die Hammergruppe im Sommermärchen, da wird ein Spiel gekillt und ins eigene Herz getroffen. Da wird der Weltmeister entzaubert, bleibt als Favorit im Abwehrnetz hängen und sieht Orange. Holland – Italien, da kommt die Spaghetti allmählich auf den Hund, jedes Foul wird zur Flugschau, bis die Spaghettis kleingeschnitten vollends unter die Räder kamen. Bahnbrechend folgt die Selbsterkenntnis: „Wir waren ziemlich naiv und haben dafür teuer bezahlt.“

Frankreich – Rumänien, war da was – außer kalter Kaffee und heißer Luft? Sie hatten die Räume nicht ausgenutzt und gingen alle geprügelt vom Platz. Oder Griechenland — Schweden, mein Gott Waldi, so zwischen Zeitvergeudung, Offenbacher Kickers und Kuriositätenkabinett. Im nächsten Spiel soll dann wohl der gern herbeizitierte Schalter umgelegt werden.

Da wird ein Land ganz brutal aus seinen Träumen gerissen und alles über den Haufen geworfen. Die Zone der Wahrheit ist im Fußball eben keine Spaßmeile.

Neben der geschwinden Verschwallung der Abseitsfalle, der Strafraumbeherrschung, dem Zeit schinden und der Blutgrätsche mutieren spurensuchende Sportmoderatoren am Bodensee zu Lieblingsgeistvernichtern. Und in der TED-Umfrage bei Phoenix wird das Fußballvolk (also fast alle!) um Stellungnahme gebeten: „Fairplay im Fußball – kann die Politik davon lernen?“ Sag’ einfach JA oder Nein und schon wissen wir’s! Genial, wie alles beim Fußball. So wird im Kerner-Kunde-Stil kein Fettnäpfchen ausgelassen.

Weitere Highlights in dieser Woche: Schweiz – Türkei, kampfbetont, fair trotz schwieriger Bodenverhältnisse, dramatisch bis zum Schluss. Schade für die Gastgeber, aber die Türken waren in letzter Minute einen Tick besser. Österreich – Polen, schnelles, abwechslungsreiches Spiel, Power-Fußball, zum Schluss ein glückliches Unentschieden für den anderen Gastgeber. Salomonisch auf höchster Ebene.

Und unsere Jungs? Kamen heute gegen Kroatien einfach nicht zu Potte, es fehlten die Hallo-wach-Kapseln. Ballack träumte durch die Gegend, Odonkor verteidigte und sollte doch über die Flügel angreifen (Klose? hat er überhaupt mitgespielt?), Schweini kam verspätet aus dem Schneckenhaus herausgekrochen, hatte ordentlich mitgemischt bis er aufgrund unkontrollierter emotionaler Erschütterungen die Rote Karte sah. Pech, doch berechtigt. Poldi packte erfolgreich einmal den Hammer aus, doch das Spiel wollte nicht in der deutschen Spur rund laufen. Die Kroaten waren einfach die bessere Mannschaft und fuhren das Ding sicher in den Adria-Hafen.

Die 13 deutschen eierlegenden Wollmilchsäue, gecoacht nach Masterplan vom Erziehungsberechtigten Superjogi, hatten versagt, mutierten zu einfachen lauffaulen Millionären, die wie Falschgeld auf dem Platz der Wahrheit rumstocherten.

Nichts desto trotz: Die Stimmung in unserer Kneipe war wieder vom Feinsten, es fehlte nur der „Weißbier-Waldi“, der sich wahrscheinlich zeitvergessen in der „Fußball-Hochschuldidaktik“ der Uni Zürich ergossen hatte (vgl. Beitrag vom 9.Juni).

Wichtig: Am Montagabend geht’s gegen Österreich ums Ganze!

Kategorien: Allgemein · Unterricht · Wirtschaft

2 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Hetzel Harald // 17 Jun 2008 um 15:02

    Rechtzeitig – abgesehen vom Polenspiel – ist die deutsche Mannschaft wieder in den Turnierstil verfallen, den sie am besten beherrscht: eine Art Rumpelfußball, die nicht selten mit Erfolg gespielt wurde. Wie konnte das passieren, nach zwei Jahren relativ modernen Fußballspieles? Ich versteh das nicht, o. k., man kann auch nicht alles verstehen. Ist die Klinsmann-Luft endgültig draußen? Es sieht ganz so aus. An eine Rückbesinnung an den Fußball wie er gegen Polen gezeigt wurde, kann ich nicht glauben. Es wird wohl weiter gewurschtelt und sie haben wieder mal Glück oder nicht. Ich tippe auf Letezteres.

  • 2 Maico Miller // 17 Jun 2008 um 17:18

    Metapherngeschwängert, fußballtrunken und fast immer im Bild kann ich dir nur antworten: Ballack erlöste Deutschland in der Nervenschlacht von Wien; da konnte auch die heilige Johanna von Cordoba der österreichischen Alpenkatze nicht mehr helfen.
    Die Deutschen sind eine Turniermannschaft und entzaubern vielleicht die Portugiesen mit Rumpelfußball, einem schnellen Lahm und einem bärenstarken Poldischuss.
    Wenn nicht braucht unser Jogi einen erleuchtungsnahen Jogi und die anderen Jungs eine breite Freudsche Couch.

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