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Geldverschwendung – Wirtschaft und Hauptschule

25. Mai 2008 · von Miller · Keine Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

Geldverschwendung – konkrete Verhandlungen mit Unternehmen führen

Die Paradoxie ist schwer zu überdecken. Die Bildungs- und Ausbildungskrisen sind seit langem bekannt, die Ursachen erforscht. Vor allem Hauptschüler bleiben auf der Strecke: unterqualifiziert, so nicht einsetzbar. Deshalb will die Bundesregierung an ausbildungswillige Unternehmen Geld verschenken, bis zu 6000.-Euro pro Lehrling. Im Rahmen ihrer neuen „Qualifizierungsinitative“ (s. Seite 23 Broschüre „Aufstieg durch Bildung“ [pdf] ) stehen bis zu 450 Millionen Euro als „Ausbildungsbonus“ zur Verfügung.

Die Pointe: Die Unternehmen wollen laut einer großangelegten Umfrage des Industrie und Handelstags (DIHT) dieses Geld gar nicht. „Der Ausbildungsbonus ist Geldverschwendung“, sagt Ludwig Georg Braun vom DIHT. Sollte das Geld jedoch zur Verfügung stehen, wird es stillschweigend mitgenommen. Für 85% der befragten Unternehmen hat der „Bonus“ keinen nennenswerten Einfluss auf ihre Ausbildungsentscheidungen. Die Unternehmen fordern stattdessen besser schulische Vorbildung der Bewerber. Recht haben sie!

Fragen: Was wird die Bunderegierung 2008 tun? Hört sie auf das einsichtige Votum der Arbeitgeber? Werden die Geldverschwendung gestoppt und Alternativen schnell korrigierend in die Wege geleitet? Sind Kultusministerien/ Wirtschaftsministerien der Länder zur schnellen Kooperation mit dem Bundesarbeitsministerium und dem Bundeswirtschaftsministerium fähig?

Einen kleinen Teil der 450 Millionen in sozialpädagogische Betreuung zu stecken ist sicher angemessen, nur wie könnten sonst Alternativen aussehen?

Vorschläge und Annahmen:
1. Mit Unternehmen in konkrete Verhandlungen eintreten, was sie an konkreten Qualifizierungsprofilen wollen – eben kein unverbindlicher Dialog des Symposiums. Nicht nur mit den Lobbyorganisationen verhandeln, sondern mit zukunftsorientierten Unternehmen in der Region. Regionale Wirtschaftsförderung und regionale Bildungsförderung sollten gemeinsam neue unkonventionelle Wege finden. Eine Lösung in Fulda kann eben ganz anders aussehen wie in Frankfurt/M. oder in Frankfurt/Oder.

2. Schulischen Muff abschaffen, zuviel Vorschriften und Gängelungen. Da müssen sich die einzelnen Bundesländer bewegen und nicht hinter KMK-Schwerfälligkeiten verstecken. Oft genug wollen Lehrer vor Ort etwas ändern, wollen sich öffnen für neue Anforderungen und Herausforderungen, dürfen aber nicht. Die Verordnung, der Erlass, das Ministerium, das Schulamt etc. – zum Schluss ist keiner mehr verantwortlich für die ausgeprägte Handlungsstarre.

3. Hauptschüler mit neuen Lernkulturen motivieren. Der Hauptschulabschluss ist keine Perspektive, die Richtung heißt Fachabitur. Und das ist möglich. Zuerst müssen die Lernblockaden weggeräumt werden, die die Schule mitverantwortlich selbst geschaffen hat. Auch Hauptschüler können mehrheitlich in 2 bis 3 Jahre zum Fachabitur gebracht werden. Die gleichzeitige Arbeit an der Persönlichkeit setzt allerdings professionelles Know-how voraus und eine Abkehr von der vorherrschenden Instruktionspädagogik. Lehrer haben hier einen pädagogisch-didaktischen Nachholbedarf und brauchen eine neue Art von professioneller Fortbildung. Die Wirtschaft wird sicher innovative Wege unterstützen.

4. Schulischen Wettbewerb zu fairen Bedingungen organisieren. Was staatliche Schule nicht können oder können dürfen, muss durch privaten Initiativen angegangen werden. Der Fokus der Zukunft heißt mehr Orientierung an personalen Kompetenzen (skills, competencies, knowledge) und weniger Orientierung an formalen Abschlüssen.

Die 450 Millionen der Qualifizierungsinitiative sollten nicht in unproduktiven Känalen versickern. Das sind wir den Jugendlichen schuldig. Mehr Beweglichkeit und innovative Ideen braucht das Land, Ministerien haben ein Lerndefizit, das sie schnell beheben sollten. Berechtigte Hoffnung auf Besserung besteht. Wer Lösungen will findet Wege, wer keine will, der (er)findet Gründe und neue Gremien.

Kategorien: Hauptschule · Unterricht · Wirtschaft

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