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Hauptschule ade!

19. Mai 2008 · von Miller · Keine Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

Den Tod der Hauptschule pfeifen die Spatzen schon längere Zeit von den Dächern. Doch halbtaube Ohren können oder wollen nichts hören, verteidigen automatenhaft die Bedeutung der Hauptschule. Für wen? – das bleibt im Nebel.
Die Hauptschüler selbst wissen es schon seit einigen Jahren: Mit diesem Abschluss ist am Arbeitsmarkt kein Blumentopf zu gewinnen. Warum überhaupt noch anstrengen, ‚ist eh alles für die Katz’. Diese Gesellschaft braucht uns nicht. Die Letzten beißen die Hunde.
Gegen diese Erfahrung der Deklassierung und Demütigung helfen auch keine noch so gut gemeinten Sozialarbeitersprüche. Gesellschaftlich anerkannte und benötigte Qualifikationen verbunden mit hochwertigen Schulabschlüssen sind gefragt. Ein gestärktes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein entsteht nur in Korrespondenz mit anerkannten, hochwertigen Qualifikationen/ Zertifikaten.
Wer schickt schon freiwillig sein Kind auf die Hauptschule? Die Schülerzahlen sinken rapide – und das ist gut so!

Vor den Sommerferien haben einige Frankfurter Hauptschulen Angst vor Schließung, sie können keine 5. Klasse mehr bilden. Sie fordern ganz offen Bestandschutz. Blankes Entsetzen habe sie ergriffen. Nur warum? Es ist wohl verständlich, dass sich die Hauptschule (vorwiegend die Lehrer und Schulleitungen) selbst erhalten will – alle Systeme neigen dazu – nur mit welcher Legitimation? Die Lehrerbeamten haben eine Arbeitsplatzgarantie bis zur Pension; eine starkes Privileg, das sie öffnen sollte für neue Arbeitsplätze an einer Kooperativen Gesamtschule oder an neu entstehenden Verbundschulen. Raus aus der Nische, rein in größere Systeme mit Dynamik und Flexibilität – wäre das nicht ein guter Start ins neue Schuljahr und ein klares Zeichen für Hauptschüler? In jedem Neuanfang wohnt ein Zauber inne, man muss ihn nur erkennen.

Hat sich dies bis zum Bundesarbeitsministerium herumgesprochen? Die Möglichkeit Schulabschlüsse nachzuholen, gehört zukünftig verstärkt zum arbeitsmarktpolitischen Instrumentarium. 80.000 Schulabbrecher jährlich und „junge Ungelernte“ in den Blick zu bekommen ist politisch längst überfällig. Im neuen Gesetzentwurf ist vom „nachträglich Erwerb des Hauptschulabschlusses“ die Rede.

Sehr gehrter Herr Arbeitsminister, lieber Olaf Scholz, wer hat Ihnen diesen Floh ins Ohr gesetzt? Recht auf Abschluss mit gleichzeitiger beruflicher Qualifizierung ist okay, nur welche Qualität, welche Perspektive? Vergessen Sie den Hauptschulabschluss! Die Orientierung muss Richtung Fachhochschulreife zeigen. Mutig wäre gewesen: Vision 2020: Bund und Länder ziehen an einem Strang: Abitur für jedermann! Ärmel aufkrempeln, durchdachte Konzepte nutzen und jetzt starten. Auch in fast jedem Schulabbrecher wohnt ein Zauber inne, man muss in nur entdecken und wecken.

PS: Im Zweiten Bildungsweg das „Angebot Hauptschulabschluss“ überhaupt noch zu fördern ist schlichter Anachronismus. Realschulabschluss ist für junge Erwachsene das absolute Minimum, ansonsten erfolgt eine falsche Orientierung, Zeitverschwendung. Da sollten sich die entsprechenden Schulen in Hessen etwas NEUES einfallen lassen. Je früher, um so besser.

Kategorien: Allgemein · Hauptschule

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