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G8 / G9 – eine schräge Debatte (3)

16. Mai 2008 · von Miller · 1 Kommentar Artikel drucken Artikel drucken

Notwendige Schnellreparaturen – zum Realismus von Kultusminister Jürgen Banzer

Die Argumente der Befürworter und Gegner von G8 bzw. G9 sind bekannt, sie werden auch durch Wiederholungen nicht besser. Unabhängig von den grundsätzlichen Argumentationslinien ist im Interesse der Schüler, Lehrer und Eltern eine schnelle pragmatische Notlösung für das nächste Schuljahr 2008/2009 notwendig. Wenn Banzer postuliert, „keinen Abiturienten verlieren“,(FAZ, 09.05.2008) „Lehrpläne verkürzen“, „Mut zur Lücke“, „Wahlmöglichkeit G8/G9“, kann es gegen ihn keinen wirklichen Einwand geben. (Von vornherein ist es naiv zu meinen, dass es den richtigen, objektiven Weg gäbe, der nur argumentativ nachvollzogen und erkannt werden müßte.)

Bis Mitte Juni will das Hessische Kultusministerium (HKM) abgespeckte Lehrpläne für das Gymnasium vorlegen. Solch ein Arbeitstempo unter Banzer ist für das HKM Neuland. Schon jetzt steht fest, dass nicht alle mit den Kürzungen zufrieden sein werden, es kann nicht anders sein. Entscheidendes Prüfkriterium muss allein sein, ob es dadurch kurzfristig zu einer spürbaren Entlastung für die Kinder der Mittelstufe kommt.
Spekulativ kann auf Dauer davon ausgegangen werden, dass sich die große Mehrheit der Schüler und Eltern für G8 entscheiden werden; das ist der gesamtdeutsche und europäische Blick. Ein etwas langsameres Lerntempo wird vorwiegend für Kooperative Gesamtschulen ermöglicht. Darin zeigt sich eine hohe Flexibilität und ein pragmatischer Realismus in der verfahrenen Debatte. Das hätte der CDU nach Wolff niemand vorher zugetraut. Der Praxistest steht an.

Nach den hessischen Sommerferien stellen sich für Banzer dann die viel grundsätzlicheren Fragen:

  • Wäre es nicht doch besser die Mittelstufe zu entlasten und die gymnasiale Oberstufe zu straffen?
  • Was taugen die bisher von der KMK vorgelegten Standards für die Mittelstufe wirklich? Handelt es sich um zukunftsorientierte Bildungsstandards oder um umgeschminkte Lehrpläne?
  • Worin besteht eine hessische Initiative für Bildungsstandards der gymnasialen Oberstufe? Wann wird diese in Angriff genommen? Gehören die alten Lehrpläne nicht endlich auf den Müll zugunsten knapper Bildungsstandards? (beides zugleich funktioniert nicht!)
  • Wie werden die „Lehrplanwelten“ aus den Köpfen der Lehrer zurückgedrängt? (Der habituelle Widerstand ist enorm!)
  • Wie sieht eine neue Prüfungsdidaktik für einen kompetenzorientierten Unterricht aus?
  • Wer entwickelt eine notwendig neue Prüfungsdidaktik? Wer motiviert die Lehrer zur Neugestaltung des Unterrichts und mit welchen Mitteln? Welche Konsequenzen ergeben sich für die „Qualität der Lernzeit“?
  • Wie sehen Visionen und pragmatische Konzepte einer neuen Lernarchitektur in Hessen aus?
  • Wie sieht die solide Finanzierung eines zügigen Ausbaus der Ganztagsschule aus?
  • Kommt es endlich zur viel beschworenen „Partnerschaft auf Augenhöhe“ zwischen dem Land und den kommunalen Schulträgern (an den Landkreisen und Städten wird es nicht scheitern!)

Kultusminister Jürgen Banzer muss zur Beantwortung der Fragen die Leistungsfähigkeit und Lernbereitschaft seiner eigenen Behörde kritisch prüfen. Er wird an externem Sachverstand nicht vorbeikommen. Er wird unkonventionelle Wege gehen müssen.

Kategorien: Abitur · Allgemein · Bildung · Gesamtschule · Gymnasium · Unterricht

1 Antwort bis jetzt ↓

  • 1 Claudia Wegner // 19 Mai 2008 um 23:15

    G8/G9 – du bewirtest Banzer ganz ordentlich oder schnürst ihm ein ordentliches Handgepäck -bin gespannt wie es auch bei uns nach den Sommerferien weitergeht…

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