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Aktuelle Politikstunde

14. Mai 2008 · von Miller · 2 Kommentare Artikel drucken Artikel drucken


14e Dalaï Lama

His Holiness, the Dalai Lama

Notiz und Unterrichtsfragen zum Dalai Lama – Besuch in Deutschland (1)

Der Dalai Lama kommt und die Berliner Bühne spielt verrückt. Koalition entzweit, Koch gegen Steinmeier, eine abwesende, wortkarge Kanzlerin (im Gegensatz zu 2007), Krisengespräche….Darf der Dalai Lama reden, mit wem und was ist opportun? Was kümmert uns Tibet? Diplomatisches Glatteis? Wenigstens Roland Koch empfängt „seine Heiligkeit“ zum Frühstück und zeigt 3/4- Flagge.

Wäre dies in der gymnasialen Oberstufe nicht drei aktuelle Stunden wert?
Das Rohmaterial ist hervorragend geeignet für ein Lehrstück zur Einführung in strategische Spiele der deutschen Außenpolitik, hervorragend geeignet zur Illustration von Ambivalenz und Komplexität politisch weitreichender Entscheidungen.
Zu analysieren und diskutieren wäre:
Koch gegen Steinmeier, gute Ratschläge aus Wiesbaden, München, Berlin als personale Oberfläche. Was ist in der Tiefenstruktur erkennbar?
Wie funktionieren die vorgetragenen Argumentationsketten?
Auf welche Hintergrundannahmen stützen sich die Argumente?
Deutsche Wirtschaftsinteressen (lukrative Produktionsstätten in China und Sicherung von explodierenden Absatzmärkten) versus Menschenrechtsverletzungen in Tibet? Verhandeln, schweigen, demonstrieren? Was heißt: gute Regierungskontakte nicht verspielen? Deutsche Zick-zack-Diplomatie?

Politik heißt nicht einfach nur „nach eigenen Interessen abwägen“ und „dicke Bretter bohren“, so das geflügelte Wort.Bei Max Weber, dem Altmeister internationaler Soziologie und Politikwissenschaft, heißt es in Politik als Beruf: „Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich. Es ist ja durchaus richtig, und alle geschichtlichen Erfahrung bestätigt es, daß man das Mögliche nicht erreichte, wenn nicht immer wieder in der Welt nach dem Unmöglichen gegriffen worden wäre.“

Oberstufenschülerinnen und –schüler sollten fremde und eigene Überlegungen experimentell erörtern, Strategien durchspielen, auch mal szenisch interpretieren. Allgemeiner: Jugendliche haben ein Recht auf einen guten und spannenden Politikunterricht. Sie brauchen multiperspektivische Brillen und offene Diskussionsräume. Dies gilt dann selbstverständlich auch für Schülerinnnen und Schüler aller Schulformen.


Kategorien: Abitur · Allgemein · Gesamtschule · Gymnasium · Unterricht

2 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 F. J. Oderbruch // 17 Mai 2008 um 13:58

    Und selbst wenn seine Heiligkeit in hessischen Fahrstühlen zum Halt kommt, dann hat er halt mal höflich Freude:
    http://www.sueddeutsche.de/panorama/artikel/712/175188/
    Grüsse von der anderen Seite des Kanals!

  • 2 Miller // 18 Mai 2008 um 09:39

    Vom Dalai Lama können wir mindestens eine Sache lernen: lachen entkrampft, lachen befreit. Da tun wir Deutsche uns eher schwer, nicht nur die Politiker.
    Ansonsten: Gratulation. Du warst der erste Blogger bei Bildungswirt. Mit zwei Rundmails am 17.05. gegen 11.12 und 11.28 hatte ich den Blog offiziell eröffnet (seit 1. Mai arbeite ich dran) und 2 Std. später die erste Reaktion. Weiter so, vielleicht mal mit einem längeren Beitrag?

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