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Randnotiz zu 1968

12. Mai 2008 · von Miller · Keine Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

Die Reflexionstage, Jubelfeiern, Talkshows und Selbstbespiegelungsrituale der 68er sind weitgehend vorüber. Deutschland ist auch durch 67/68 eine liberalere, weltoffenere Gesellschaft geworden. Die Ablehnung des „Parlamentarismus als bürgerliche Herrschaftsform“ ist überwunden; viele haben sich arrangiert, integriert, gewandelt; sie sind selbst in Führungspositionen von Politik, Medien und Wirtschaft aufgestiegen. Alles Weitere ist Interpretationskampf/-krampf.

Für junge Leute ist 1968 bei Interesse ein komplexer „historischer Gegenstand“ – einmal selbst gegoogelt und du stehst in der Überfülle des Meinungssalates 1968 – 2008. Textberge, soweit das Auge reicht.
Wer selbst Quellen überblicksartig prüfen will, dem sei die vielfältige Sammlung von theoretischen Bezugstexten 1968 – Eine Enzyklopädie, Suhrkamp, Sonderausgabe 2008, 18.-Euro“ empfohlen.Vielleicht entdeckt ein junger Leser in Raoul Vaneigems Handbuch der Lebenskunst für die junge Generation noch Neues zwischen Genialität und Verblasenheit (Auszug hier: Kreativität, Spontaneität und Poesie). Oder Erhellendes vom jungen Peter Handke aus Publikumsbeschimpfung und zum Straßentheater; dazu das Interview Sartre/Cohn-Bendit Die Phantasie an die Macht.
Oder die These vom engagierten Hans Magnus Enzensberger: „Das politische System in der Bundesrepublik läßt sich nicht mehr reparieren. Wir können ihm zustimmen, oder wir müssen es durch ein neues System ersetzen. Tertium non dabitur.“ Und die Antwort des ebenso engagierten Martin Walser 1968: „Sicher ist – und das sollten Mao-lesende Studenten wissen –, daß eine Revolution nicht importiert werden kann. Ebenso sicher ist: Wer bei uns, gelenkig vor lauter Realismus, die Evolution als einzig fromme Gegenwart predigt, der ist schon vor der Vertröstung geschluckt, er wird, wider besseren Willen, dazu dienen, die herrschende ze-de-uh-es-pe-deh-Immobilität mit einem Anschein von Bewegung zu dekorieren; zu diesem Dienst sind vor allem wir, die Intellektuellen, leicht zu verführen: Mit Herakles-Geste vernichten wir dann und wann ein zum Abschuß freigegebenen Tabu.“ (…)

Zusätzliches Forschungsobjekt für Schüler: Was macht z.B. Daniel Cohn-Bendit 40 Jahre später? Phantasie an die Macht? Europaabgeordneter und Fan der Frankfurter Eintracht, was lässt sich sonst noch herausfinden?

Time goes on, we can change or looking for …

Kategorien: Allgemein · Gymnasium · Literatur / Film · Unterricht · Vorbilder

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