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Erhellendes nebenbei gefunden (1)

12. Mai 2008 · von Miller · 1 Kommentar Artikel drucken Artikel drucken

Montaigne und Bildungsstandards
„Der Schüler soll nicht nur über die Worte, sondern vor allem über den Sinn und Inhalt dessen, was er gelernt hat, Auskunft geben können; der Nutzen, den er davon gehabt hat, soll sich nicht im Gedächtnis, sondern bei der Anwendung im Leben zeigen; der Inhalt der neuen Unterweisung muss sich auf hundertfache Weise ausdrücken lassen, er muss sich auf ganz verschiedene Objekte anwenden lassen; dann erst kann der Lehrer sehen, ob der Schüler das Wesentliche wirklich erfasst und sich zu eigen gemacht hat. Es ist ein Zeichen von ungenügender Verdauung, wenn man die Speisen unverändert wieder von sich gibt, so wie man sie geschluckt hat; der Magen hat nicht funktioniert, wenn er das, was er zu verarbeiten hatte, nicht ganz und gar verändert und umgestaltet hat.“
(Michel de Montaigne im Jahr 1580 (!). Wäre das, modern transformiert, nicht der Leitfaden zur Formulierung von Bildungsstandards in der Schule?)

Kategorien: Bildungsstandards · Dunkelkammer · Unterricht

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  • 1 Tobias Jesse // 18 Mai 2008 um 16:57

    Als ehemaliger Schüler und derzeitiger Student, muss ich dieses Zitat aus dem Jahre 1580 mit deutlichem Nachdruck befürworten.
    In zahlreichen Schulen musste ich erfahren, dass der Unterrichtsbesuch für mein Leben ausserhalb der Schule praktisch bedeutungslos war. Der gelernte Stoff war wenige Tage nach der Klausur nicht mehr zu verwerten und fürs Leben habe ich daraus gelernt: NICHTS!!

    Es ist beschämend, dass die drittstärkste Volkswirtschaft der Welt, europaweit über ihr Schulsystem aufgezogen wird. Wo doch vor mehr als 400 Jahren sinnvolle Ansätze für ein Schulsystem definiert wurden, welche bei konsequenter Umsetzung eine neue „Elite“ ins Leben rufen würden.

    In meiner persönlichen Schullaufbahn gab es nur ganz wenige Ausnahmen an Lehrern, welches dieses Zitat von Michel de Montaigne zu berücksichtigen schienen. Und von diesen Ausnahmen an Lehrerpersönlichkeiten profitiere ich heute (Jahre nach dem Unterrichtsbesuch) stärker denn je. Die Lehrinhalte wurden also nicht vergessen, sondern haben sich gefestigt und lassen sich jederzeit wieder anwenden.
    Als Beispiel für erfolgreiche Unterrichtsstunden, nenne ich die Vermittlung einer kritischen Herangehensweise an Informationen, welche z.B. täglich beim Zeitung lesen zum Tragen kommen.

    Bei vielen Lehrern die ich im Unterricht erlebt habe, kann ich jedoch verstehen, warum sie bewusst auf das Lehren von „kritischem Hinterfragen von Informationen“ verzichten…sie könnten Gefahr laufen, selbst in Frage gestellt zu werden…

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